Ergebnisse des Fragebogens zur Bischofssynode in Rom

Ergebnisse des Fragebogens zur Bischofssynode in Rom

Gepostet von am Feb 3, 2014 in Allgemein | Keine Kommentare

Am 29.01.2014, also vor wenigen Tagen, berichteten wir hier mit unserem Artikel über die Auswertung der Fragebögen.

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat auf seiner jüngsten Sitzung ausführlich die aus allen 27 Bistümern sowie weiteren 20 namhaften katholischen Verbänden und Institutionen eingegangenen Antworten auf den Fragebogen des Vatikans zur Vorbereitung der III. Außerordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode beraten. Sie wird vom 5. bis 19. Oktober 2014 zum Thema „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ im Vatikan stattfinden. Die Bistümer waren gebeten worden, ihre Antworten bis zum 16. Dezember 2013 an das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zu senden. Bis Anfang Januar wurden dort die über 1.000 Seiten umfassenden Rückmeldungen ausgewertet und für eine Zusammenfassung aufbereitet.

Die deutschen Bischöfe werden diese Unterlagen nach Rom weiterleiten und zur Vorbereitung der Bischofssynode in ihre weiteren Beratungen einfließen lassen. Insbesondere werden sich die Glaubenskommission und die Kommission für Ehe und Familie mit den anstehenden Fragen befassen.

Darüber hinaus hat die Deutsche Bischofskonferenz dem Vatikan vorgeschlagen, bei der Vermittlung der kirchlichen Sexualmoral  neue Wege zu suchen und stellen fest, dass die kirchliche Lehre zur Sexualität im Alltag vieler Katholiken kaum noch eine Rolle spiele. Als Gründe dafür benennen die Bischöfe einen Wandel in der Gesellschaft, aber auch Defizite in der eigenen Seelsorge sowie eine für viele Gläubige unverständliche Sprache in kirchlichen Dokumenten.

Das Thema Empfängnisverhütung werde „von der großen Mehrheit der Katholiken als unverständlich abgelehnt und in der Praxis nicht beachtet“. Anders bei der Abtreibung: Sie werde im Einklang mit dem Lehramt „von der großen Mehrheit der Katholiken abgelehnt“.

Den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von den Sakramenten können die meisten deutschen Katholiken „nicht nachvollziehen“. Sie forderten stattdessen eine „Pastoral des Respekts vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen und einen barmherzigen Umgang mit Scheitern, der auch die Wiederzulassung zu den Sakramenten ermöglicht“.

Ein differenziertes Bild ergibt die Umfrage den Angaben zufolge mit Blick auf die rechtliche Stellung homosexueller Lebensgemeinschaften. So betrachte eine Mehrheit der deutschen Katholiken es als ein „Gebot der Gerechtigkeit“, solche Lebensgemeinschaften rechtlich anzuerkennen und Homosexuelle zu respektieren. Eine Öffnung des Rechts der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften werde hingegen unter Katholiken „überwiegend abgelehnt“.

Für die kirchliche Arbeit fordern die Bischöfe nun neue Ansätze. Es gelte, „die zentrale Botschaft der Kirche von Ehe und Familie in ihrer unbedingten Bejahung des Lebens und des Leibes in einladender Weise zu vermitteln“. Auch im Umgang mit gescheiterten Beziehungen plädiert die Bischofskonferenz für einen Kurswandel. Für die Weltbischofssynode im Oktober empfiehlt sie eine aktive Beteiligung von Eheleuten und Familien an den Vorbereitungen sowie an den Beratungen des Treffens.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nannte die Veröffentlichung der Ergebnisse einen „wichtigen Schritt zu einer ehrlichen und offenen Kommunikation“. Die katholischen Laien sähen darin einen Ausgangspunkt für eine neue Debatte über Konsequenzen für die Verkündigung und für das kirchliche Leben, erklärte ZdK-Präsident Alois Glück.

Ähnlich äußerte sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Zugleich zeigte sich der Bundesvorsitzende Dirk Tänzler wenig überrascht von den Ergebnissen. „Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß dass die Realität so aussieht“, sagte Tänzler. Zugleich rief er dazu auf, die Debatte weiterzuführen. „Die Leute interessieren sich für die Lehre der Kirche – und das ist das Entscheidende!“

Die 20-seitige Zusammenfassung der Antworten aus den deutschen (Erz-) Diözesen auf die Fragen im Vorbereitungsdokument für die III. Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode 2014 lesen Sie durch einen Klick auf unser  Emblem.

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Zum besseren Verständnis haben wir noch einmal alle 9 themenbezogenen Kapitelfragen nachstehend zusammengetragen:

1. Zur Verbreitung der Heiligen Schrift und des Lehramtes der Kirche in Bezug auf die Familie

a)      Wie steht es um die wirkliche Kenntnis der Lehren der Bibel, um die Kenntnis von „Gaudium et spes“, „Familiaris consortio“ und anderer Dokumente des nachkonziliaren Lehramtes über die Bedeutung der Familie nach der Lehre der katholischen Kirche? Wie werden unsere Gläubigen zum Familienleben nach der Lehre der Kirche herangebildet?

b)      Wird die Lehre der Kirche dort, wo sie bekannt ist, ganz angenommen? Zeigen sich bei ihrer Umsetzung in die Praxis Schwierigkeiten? Welche?

c)      Wie wird die Lehre der Kirche im Kontext der Pastoralprogramme auf nationaler, diözesaner und Pfarreiebene verbreitet? Wie sieht die Katechese über die Familie aus?

d)      d) In welchem Maß – und insbesondere bezüglich welcher Aspekte – ist diese Lehre im außerkirchlichen Bereich wirklich bekannt, wird akzeptiert, zurückgewiesen und/oder kritisiert? Welche kulturellen Faktoren behindern die volle Annahme der Lehre der Kirche über die Familie?

2. Zur Ehe nach dem Naturrecht

a)      Welchen Raum nimmt der Begriff des Naturrechts in der weltlichen Kultur ein, sowohl auf institutioneller, erzieherischer und akademischer Ebene als auch in der Volkskultur? Welche anthropologischen Sichtweisen liegen dieser Debatte über das natürliche Fundament der Familie zugrunde?

b)      Wird der Begriff des Naturrechts in Bezug auf die Verbindung zwischen Mann und Frau von Seiten der Gläubigen im Allgemeinen akzeptiert?

c)      Auf welche Weise wird in Theorie und Praxis das Naturrecht in Bezug auf die Verbindung zwischen Mann und Frau im Hinblick auf die Bildung einer Familie bestritten? Wie wird es in den zivilen und kirchlichen Einrichtungen dargelegt und vertieft?

d)      Wie soll man die pastoralen Herausforderungen annehmen, die sich ergeben, wenn nicht praktizierende oder sich als ungläubig bezeichnende Getaufte die Feier der Eheschließung erbitten?

3. Die Familienpastoral im Kontext der Evangelisierung

a)      Welche Erfahrungen wurden in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf die Ehevorbereitung gemacht? Auf welche Weise hat man sich bemüht, dem Evangelisierungsauftrag der Eheleute und der Familie Impulse zu geben? Wie kann man das Bewusstsein der Familie als „Hauskirche“ fördern?

b)      Ist es gelungen, für die Familie Gebetsformen vorzuschlagen, die in der Komplexität des heutigen Lebens und der aktuellen Kultur Bestand haben?

c)      Haben die Familien in der aktuellen Situation des Generationenkonflikts verstanden, ihre Berufung zur Weitergabe des Glaubens umzusetzen? Wie?

d)      Wie haben es die Ortskirchen und Bewegungen der Familienspiritualität verstanden, vorbildliche Wege der Formung und Ausbildung zu schaffen?

e)      Welchen besonderen Beitrag haben Ehepaare und Familien leisten können, um zur Verbreitung einer heute glaubwürdigen ganzheitlichen Sicht von Ehe und Familie beizutragen?

f)       Welche besondere pastorale Aufmerksamkeit hat die Kirche gezeigt, um den Weg der Paare, die am Anfang ihres gemeinsamen Weges stehen, sowie den der Ehepaare in der Krise zu unterstützen?

4. Zur Pastoral für Gläubige in schwierigen Ehesituationen

a)      Ist das Zusammenleben „ad experimentum“ in der Ortskirche eine relevante pastorale Wirklichkeit? Welchen Prozentsatz macht es schätzungsweise aus?

b)      Gibt es faktische Lebensgemeinschaften ohne religiöse oder zivile Anerkennung? Gibt es dazu verlässliche statistische Daten?

c)      Stellen die getrennt Lebenden und die wiederverheirateten Geschiedenen eine wichtige pastorale Realität in der Ortskirche dar? Welchen Prozentsatz machen sie schätzungsweise aus? Begegnet man dieser Situation durch entsprechende Pastoralpläne? Welche?

d)      All diese Fälle betreffend: Wie leben die Getauften ihre irreguläre Situation? Sind sie sich dessen bewusst? Zeigen sie sich gleichgültig? Fühlen sie sich ausgegrenzt und leiden an der Unmöglichkeit, die Sakramente zu empfangen?

e)      Welche Anfragen/Bitten gibt es von Seiten der wiederverheirateten Geschiedenen an die Kirche in Bezug auf die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung? Wie viele Gläubige, die in diesen Situationen leben, fragen nach diesen Sakramenten?

f)       Könnte die Straffung der kirchenrechtlichen Praxis zur Anerkennung der Nichtigkeitserklärung des Ehebandes einen wirklichen und positiven Beitrag leisten zur Lösung der Probleme der betroffenen Personen? Wenn ja, in welchen Formen?

g)      Gibt es eine Pastoral, um diesen Fällen entgegenzukommen? Wie sieht diese Pastoral aus? Gibt es diesbezügliche Pastoralpläne auf nationaler und diözesaner Ebene? Wie wird den getrennt Lebenden und den wiederverheirateten Geschiedenen die Barmherzigkeit Gottes verkündet und wie wird die Unterstützung ihres Glaubensweges durch die Kirche umgesetzt?

5. Zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften

a)      Gibt es in Ihrem Land eine zivile Gesetzgebung, die Verbindungen von Personen desselben Geschlechts anerkennt und damit in etwa der Ehe gleichstellt?

b)      Was ist die Haltung der Teilkirchen und Ortskirchen sowohl gegenüber dem Staat, der die zivilen Verbindungen zwischen Personen desselben Geschlechts fördert, als auch gegenüber den von dieser Art von Verbindungen betroffenen Personen?

c)      Wie soll man sich auf pastoraler Ebene mit Blick auf die Glaubensweitergabe in jenen Fällen verhalten, in denen gleichgeschlechtliche Partner Kinder adoptiert haben?

6. Zur Erziehung der Kinder in irregulären Ehesituationen

a)      Wie hoch ist der geschätzte Prozentsatz der Kinder und Heranwachsenden im Vergleich zu den in regulären Familien geborenen und aufgewachsenen Kindern?

b)      Mit welcher Haltung wenden sich die Eltern an die Kirche? Um was bitten sie? Nur um die Sakramente oder auch um die Katechese und den Religionsunterricht im Allgemeinen?

c)      Wie kommen die Teilkirchen dem Wunsch dieser Eltern nach, ihren Kindern eine christliche Erziehung zu bieten?

d)      Wie läuft in diesen Fällen die sakramentale Praxis ab: die Vorbereitung, die Spendung der Sakramente und die Begleitung?

7. Zur Offenheit der Eheleute für das Leben

a)      Wie steht es um die wirkliche Kenntnis der Gläubigen in Bezug auf die Lehre von „Humanae vitae“ über die verantwortliche Elternschaft? Welches Bewusstsein gibt es von der moralischen Bewertung der unterschiedlichen Methoden der Geburtenregelung? Welche Vorschläge zur Vertiefung dieses Themas aus pastoraler Sicht gibt es?

b)      Wird diese Morallehre akzeptiert? Welches sind die problematischsten Aspekte, die die Akzeptanz bei der großen Mehrheit der Ehepaare erschweren?

c)      Welche natürlichen Methoden werden von Seiten der Teilkirchen gefördert, um den Ehepaaren zu helfen, die Lehre von „Humanae vitae“ umzusetzen?bei der großen Mehrheit der Ehepaare erschweren?

d)      Welche Erfahrung gibt es hinsichtlich dieses Themas in Zusammenhang mit der Praxis des Bußsakraments und der Teilnahme an der Eucharistie?

e)      Welche Gegensätze fallen zwischen der Lehre der Kirche und der weltlichen Erziehung in diesem Bereich auf?

f)       Wie kann man eine mehr für die Nachkommenschaft offene Mentalität fördern? Wie kann man einen Anstieg der Geburtenrate fördern?

8. Zur Beziehung zwischen Familie und Individuum

a)      Jesus Christus offenbart das Geheimnis und die Berufung des Menschen: Ist die Familie ein privilegierter Ort, damit dies geschieht?

b)      Welche kritischen Situationen der Familie in der heutigen Welt können zu einem Hindernis für die Begegnung des Einzelnen mit Christus werden?

c)      In welchem Maß wirken sich die Glaubenskrisen, die die Einzelnen durchmachen können, auf das Familienleben aus?

9. Weitere Herausforderungen und Vorschläge

Gibt es andere Herausforderungen und Vorschläge hinsichtlich der in diesem Fragebogen behandelten Themen, die nach Meinung der Befragten dringlich oder nützlich sein mögen?

© dbk 012a

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