Über die Geschichte und den Sinn des Fronleichnamsfestes

Über die Geschichte und den Sinn des Fronleichnamsfestes

Gepostet von am Jun 8, 2020 in Allgemein | Keine Kommentare

 

 

Das Fronleichnamfest am Donnerstag in der zweiten Woche nach Pfingsten, also nach dem Dreifaltigkeitsfest, wird auch Hochfest des Leibes und Blutes Christi genannt. Es feiert die Eucharistie als Opfer, Kommunion (Opferspeise) und – wegen der Realpräsenz Christi im Tabernakel – zugleich als Gegenstand der Anbetung. Es ist ein Erinnerungsfest an die Einsetzung des Altarsakramentes, das eigentlich Gründonnerstag gefeiert werden müsste, aber der Passionswoche wegen als zu diesem Termin unangebracht empfunden wurde. Es wurde deshalb – in einer Zeit, als der Osterfestkreis mit Pfingsten fünfzig Tage nach Ostern schloss – an das Ende der österlichen Zeit gelegt.

Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich (+ 5.4.1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. (1261 – 1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, Fronleichnam als „Fest des Leibes Christi“ … mit der Enzyklika „Transiturus de hoc mundo“ zum allgemeinen kirchlichen Fest. Thomas von Aquin war an dieser Enzyklika wesentlich beteiligt und hat die Texte für das Offizium und die Messe zusammengestellt. … Die Dominikaner haben die Ausbreitung dieses Festes stark gefördert. 1311 wurde es unter Papst Clemens V. (1305 – 1314) auf dem Konzil von Vienne bestätigt und 1317 unter Papst Johannes XXII. (1316 – 1334) endgültig weltweit angeordnet. …

Den besonderen Charakter erhielt Fronleichnam durch die Prozession, die schon 1279 durch Köln zog. Gerade die Fronleichnamsprozession versinnbildlicht gelebtes Christentum: Zum Ende des Osterfestkreises symbolisiert sie den christlichen Lebensvollzug, das gläubige „Wallen“, das Ziehen durch die Zeit, dem ewigen Vater entgegen. Es ist die Heimkehr der Kinder Gottes in das himmlische Jerusalem. … In Gestalt der geweihten Hostie wird Christus selbst durch Stadt, Flur und Wald geführt. Der realpräsente Gott wird sichtbar, er verlässt das „fanum“ (lat. Tempel, Allerheiligste) und durchzieht das „profanum“ (das dem Allerheiligsten Vorgelagerte). Zu diesem Zweck entstand die Monstranz, ein Ostensorium mit Lunula, einem halbmondförmigen Schiffchen, in das die Hostie eingesteckt wird. Es wurde auch der Baldachin (Tragehimmel) für kultische Zwecke übernommen, der ursprünglich ein Herrschaftszeichen der Monarchen war.

In der Reformation entwickelte sich Fronleichnam zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Luther bezeichnete Fronleichnam 1527 als „allerschädlichstes Jahresfest“. Ihm fehlte die biblische Grundlegung, Prozessionen galten ihm als Gotteslästerung. Das Konzil von Trient (1545 – 1563) bestätigte das Fronleichnamsfest, das nun einen demonstrativen Akzent bekam: Mit großem Aufgebot und Aufwand zeigten die Katholiken ihren Glauben. Subdiakone, Diakone, Priester, Nonnen, Mönche und Messdiener zogen mit Fahnen, Schellen und Weihrauch, begleitet von den Honoratioren und Erstkommunikanten, Gruppen von Frauen und Männern, geordnet nach Ständen, Verbänden, Bruderschaften und Vereinen durch Stadt und Flur. Betend und singend begleiteten sie durch festlich geschmückte Straßen das Allerheiligste. Die Prozession endete mit einem feierlichen Gottesdienst.

(Bild: Christine Limmer in pfarrbriefservice.de – Text:  © Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln)

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