40 Tage bis Ostern

Gepostet von am Feb 16, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Aschermittwoch

Asche auf sein Haupt zu streuen, ist ein Zeichen der inneren Umkehr und das Eingeständnis, etwas falsch gemacht zu haben. Asche hat deshalb eine besondere Symbolkraft. Der Aschermittwoch ist der Beginn der Vorbereitungszeit auf Ostern, der Fastenzeit. Er liegt 40 Tage vor Ostern, wenn man die Sonntage nicht mitzählt.

Der Gottesdienst ist karg, violett ist die Farbe des Messgewandes. Das Aschenkreuz wird nach dem Evangelium ausgeteilt. Vorher wird die Asche mit Weihwasser gesegnet. Sie wird durch Verbrennen der Palmzweige des letzten Jahres gewonnen. Der Sinn des Ritus wird in einem einleitenden Gebet verdeutlicht:

Gott, du willst nicht den Tod des Sünders, du willst, dass er sich
bekehrt und lebt. Erhöre gnädig unsere Bitten, segne diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir Staub
sind und zum Staub zurückkehren. Hilf uns, die 40 Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen. Verzeih uns unsere Sünden und
erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes und schenke uns durch
seine Auferstehung das unvergängliche Leben.
.

Der Priester bestreut das Haupt der Gläubigen in Kreuzes Form mit Asche oder zeichnet mit Asche ein Kreuz auf die Stirn, dabei spricht er:

 Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.

Der Aschermittwoch ist Fasttag. Das besagt, dass Erwachsene sich nur einmal am Tag mit einer Mahlzeit ganz sättigen. Eine weitere Einschränkung ist der Verzicht auf Fleisch. Dieser Tag hat als „Aschermittwoch der Künstler“ einen besonderen Akzent bekommen. In einzelnen Bistümern werden die Künstler zur Feier des Gottesdienstes und einer nachfolgenden Veranstaltung eingeladen

Der französische Karikaturist und Thea­termaler Adolphe Willette versammelte 1914 am Aschermittwoch Künstler zu einer religiösen Besinnung. Nach seinem Tod wurde 1926 in der Kirche St. Germain l’Auyerrois, der Kirche der Künstler in Paris, eine Messe für die verstorbenen Künstler gefeiert. Neben dem Gedächtnis der Toten ist der Tag auch ein Anlaß der Besinnung und Meditation. An diesem Tag kommt es zu einer Begegnung zwischen Künstlern und dem Bischof. Der Aschermittwoch der Künstler wurde 1950 in Köln und 1955 in Mün­chen übernommen und wird heute weltweit in vielen Bistümern gefeiert.

 Aschenkreuz

 Zum katholischen Karneval gehört der Aschermittwoch. Man geht morgens in den Gottesdienst, lässt sich Asche aufs Haupt streuen und isst Fisch. Die Asche ist nicht ein dekoratives Zeichen, sondern konfrontiert mit dem Sterben:

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!“ so spricht es der Priester, wenn er Asche über das Haupt des Gläubigen streut oder mit Asche seine Stirn bezeichnet.

Wer sich Asche aufs Haupt streut, zeigt Bußfertigkeit. So geht der Ritus auf die frühe Kirche zurück. Hier wurden Menschen, die sich schwer vergangen hatten, öffentlich in den Stand der Büßer aufgenommen, mit einem Bußgewand bekleidet und mit Asche bestreut. Gründonnerstag wurden sie wieder in die Gottesdienstgemeinschaft aufgenommen. Diese Form der altchristlichen Buße kam zum Erliegen und wurde durch die Bußpraxis der irischen Kirche, die häufiger zu empfangende Ohrenbeichte ersetzt.

Asche im Gotteshaus zeigt, dass es in der Religion auf Kontraste ankommt. Allerdings war der Karneval auch schon nicht festlich, er hat nicht den erlösten Menschen gefeiert, sondern den Narr, den Dummkopf, der Gott nicht erkennt. In den Masken werden die Laster dargestellt, in den Büttenreden die menschlichen Schwächen aufs Korn genommen.

Der Aschermittwoch steht am Beginn der 40tägigne Fastenzeit, eine Zeit der Umkehr, die das Leben neu im Glauben verankern soll – und konfrontiert den Menschen mit seiner Nichtigkeit. Nichtig ist dabei das menschliche Handeln, dagegen behält das, was aus Liebe getan wird, seinen Wert für die ganze Ewigkeit.

Fastenzeit – Sieben Wochen anders leben

Am Anfang steht das Wörtchen eigentlich. Eigentlich wäre es gut, ein bisschen weniger Alkohol zu trinken. Nicht jeden Abend mit dem Rotweinglas auf dem Sofa zu versacken. Anstelle der Vorabendserien die Laufschuhe hervorzuholen. Und statt darüber zu klagen, dass so viele Kontakte eingeschlafen sind, mal wieder zum Telefonhörer zu greifen.

Eigentlich wäre es schön, ein bisschen anders zu leben. Etwas freier, leichter. Mir vergegenwärtigen, was wirklich wichtig ist. Die kleinen und großen Süchte aufspüren, sie wieder in Sehnsüchte verwandeln. Und diese Sehnsüchte nicht eilig stillen mit Schokoladenplätzchen, sondern sie aushalten, manchmal auch schmerzlich, und nach dem suchen, was wirklich satt macht.

Gegenstimmen

Sofort melden sich verlässliche Gegenstimmen zu Wort: So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht, flüstert die Bequemlichkeit. Und wenn du es nicht schaffst?, bangt die Angst. Es gibt wichtigere Dinge, argumentiert die Vernunft, als ein bisschen weniger Schokolade zu essen. Nett wäre doch mal wieder ein gemütlicher Kneipenabend, lockt die Verführung. Und der Realismus unkt, dass das ja alles doch nichts bringen wird. Wie oft habe ich schon versucht, mein Leben zu ändern? Habe Vorsätze gefasst, Ziele gesetzt und bin doch bei der kleinsten Versuchung umgefallen?

Ausprobieren

„Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben“, setzt Christian Morgenstern dagegen. „Macht euch nur von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“

Vielleicht muss es ja nicht gleich ein neues Leben werden, sondern könnte ein Versuch sein: ein überschaubarer Zeitraum, nicht gleich für immer. Ein paar Wochen ausprobieren, wie es wäre, dieses andere Leben. Zusammen mit anderen, damit man weiß, man kämpft nicht allein.

Fastenzeit als Versuchsfeld

Die Fastenzeit ist so ein Versuchsfeld. Die sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern können eine Auszeit sein, in der man sich ausprobieren, in der man versagen und wieder neu anfangen, in der man über sich hinauswachsen kann. Früher gab es für diese Zeit feste Regeln: Kein Wein durfte getrunken, kein Fleisch gegessen werden, später auch weder Milch, Käse noch Eier. Es gab keine Tanzveranstaltungen, keine Hochzeiten. Alles, was von Ostern wegführte, sollte gemieden werden. Alles, was einen gebunden hielt, sollte man loslassen, um frei und nüchtern die Auferstehung Jesu feiern zu können. Seine Sinne wach und geschärft auf das neue, das andere Leben richten können, das aus dem Scheitern, dem Tod wächst. Es ging früher und geht auch heute nicht darum, bestimmte Lebensmittel zu verdammen. „Alles ist mir erlaubt“, schreibt Paulus im Neuen Testament, „aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“

Ehrlich sein

Wo stehe ich zwischen Freiheit und Abhängigkeit? Selbstverständlich darf ich Schokolade essen, so viel ich mag. Aber kann ich aufhören, wenn ich satt bin? Und natürlich verbietet mir keiner, Wein zu trinken. Aber wie schwer fällt es mir, nach einem Glas aufzuhören?

Das rechte Maß ist entscheidend und die Frage, ob die Dinge mich beherrschen oder ich sie. Beim Fasten geht es nicht darum, sich selbst weh zu tun. Aber es ist wichtig, ehrlich zu sein, sich einzugestehen, wo das eigene Leben nicht mehr wahrhaftig ist, wo ich mich entfernt habe von mir, meinem Körper und meiner Seele, von anderen und von Gott.

Vertrauen lernen

Das ist nicht leicht. Gefühle kommen hoch, die man lieber wegschieben wollte: Klein und unvermögend kommt man sich mitunter vor, einsam oder ohnmächtig. Verlockend ist es dann, Ersatz und Trost in Form von Süßem oder Alkoholischem zu finden, sich ablenken zu lassen von Fernsehen oder Internet. Vor allem gilt es, die eigene Bedürftigkeit auszuhalten, sich einzugestehen, dass ich mir nicht alles selbst geben, mich nicht selbst erfüllen kann. Fasten bedeutet, Vertrauen zu lernen: Mein Durst, meine Bedürfnisse, meine Sehnsüchte werden auf andere Weise gestillt werden. Leere wagen und der Verheißung Jesu vertrauen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

Persönliche Entscheidung

Niemand kann mir vorschreiben, worauf ich verzichten, was ich in meinem Leben ändern soll. Fasten ist immer eine persönliche Entscheidung. Wie ich faste, worauf ich verzichten möchte, liegt ganz bei mir. Für manche muss es auch keine Abstinenz sein: Fasten kann umgekehrt bedeuten, sich selbst etwas Gutes zu tun, dem eigenen Leben mehr Sinn zu geben. Zum Beispiel, indem man sieben Wochen lang jeden Morgen einen Psalm liest. Oder ein Gebet spricht. Oder einfach nur dasitzt und sich und seine Umgebung bewusst wahrnimmt. Wer sich einsam fühlt, nimmt sich etwa vor, einmal in der Woche jemanden einzuladen. Und wer sich ausgebrannt und leer fühlt, verabredet Saunaabende.

„7 Wochen anders leben“ ist mehr, als Alkohol und Schokolade wegzulassen und mit sehnsüchtigem Blick auf die Osternacht zu schielen, weil man dann wieder „darf“. Es bedeutet, sich dem Leben zu stellen, die leeren Hände hinzuhalten und darauf zu vertrauen, dass Gott sie füllt.

(Susanne Niemeyer, anderezeiten.de – Grafik: Aschermittwoch © Bianka Leonhardt/kinder-regenbogen.at, Grafik: Aschermittwoch © Sarah Frank Grafik: Fastenzeit © Sarah Frank – pfarrbriefservice.de)

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